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Louis Fürnberg


Louis Fürnberg (1909-1957) entstammte einer jüdischen Fabrikantenfamilie aus Mähren. Fürnberg trat 1928 der Kommunistischen Partei bei und blieb ihr fast bedingungslos treu. Für die von ihm gegründete Agitpropgruppe "Echo von links" schrieb er viele, teils hervorragende Texte. Den Faschismus überlebte er in Palästina, seine Angehörigen und die seiner Frau wurden von den Nazis ermordet. In Palästina konnte er seine Haltung als "proletarischer Internationalist" nicht mit den zionistischen Vorstellungen in Einklang bringen und wollte deshalb das Land verlassen. Vor seiner Rückkehr 1946 wurde er im aufkommenden Kalten Krieg als Kommunist von den Engländern mehrere Monate interniert. 1946-1948 war er in Prag wieder im Parteiauftrag als Korrespondent für diverse Zeitungen tätig.

Nach Staatsgründung der DDR wurde er Erster Botschaftsrat der CSR in Berlin. Im Zuge der stalinistischen Säuberungen im Umkreis der Slansky-Prozesse wurde sein Vorgesetzter Fischl abberufen, angeklagt und hingerichtet und Fürnberg an seine Stelle gesetzt. Die Prozesse in der CSR zeigten offen antisemitische Züge und so geriet auch er in Gefahr. Im Dezember 1952 wurde er dann auch von seinem Posten abberufen und zurückbeordert. Am 21. Dezember (Stalins Geburtstag) fuhr er nach Prag. Zuvor hatte er seine gesamte Korrespondenz und andere Unterlagen verbrannt. Eine Anklage blieb ihm erspart. Zwei Jahre leitete er dann die Abteilung für "kulturelle Betreuung anderssprachiger nationaler Gruppen" im Schulministerium in Prag. Keine seiner Dichtungen wurde in der CSR publiziert. 1954 beantragte Fürnberg die übersiedelung nach Weimar und holte dafür die Zustimmung beider Regierungen ein. Die Entgegennahme des Passes sollte er mit einer Denunziation bezahlen, die er verweigerte. In Weimar war er unter Walter Victor als stellvertretender Direktor der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten tätig. 1955 erlitt er bei einem Aufenthalt in Prag einen Herzinfarkt, mitverursacht vom Klima der Bedrohung und Denunziation der spätstalinistischen Zeit. Er erholte sich nicht mehr davon und starb 1957. Das "Lied der Partei" begleitete ihn bis zum Schluß.

aus dem Nachwort von Herbert Meinke

 

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