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Bernd Kebelmann: Auf dem Tastweg

    Gedichte zum literarischen Kunstprojekt, Tastwege« 1992 — 2005, Umschlaggestaltung Diether Münchgesang

    Kurzbeschreibung

    Ich bin der mit Blindheit Begabte … Wenn er fällt und es schmerzt, ist er nicht wirklich gefallen. Seine innere Lage muss aufrecht bleiben, sonst stürzt er ins Bodenlose. Für ihn gibt es keinen Fluchtpunkt. Also erträgt er sich und uns, oder zerbricht daran…

    Vorsicht, ruft man mir zu, ein Baum, eine Wand, ein Gullyloch, Mann, Sie stehen ja auf dem Fahrdamm! - Der Menschenstrom drängt mich gefährlich nahe an die drohenden Klippen heran. Betonmasten, stählerne Pfeiler. Lautsprecher dudeln, Autos starten, Baustellen dröhnen wie Höllenschmieden, Lärm und Lachen spritzt auf wie Gischt. Ein minoisches Stadtlabyrinth. Wo bin ich, wohin führt mein Weg? - Quer zur Strömung treibe ich weiter, versuche, die Richtung zu halten. Welche Richtung, spielt keine Rolle. Jedes Hindernis zieht mich fast magisch an. Gegen die Strömung, stromaufwärts schwimmen, Widerstand spüren, leben.

    Bernd Kebelmann versammelt 56 Gedichte, die thematisch sein Bemühen umreißen, sich trotz zunehmender Erblindung einen Zugang zur Kunst zu erhalten.

    Kämpft er in den ersten Gedichten bisweilen noch mit seinem Schicksal, so schafft er es bald, aus der neuen, ungewohnten Situation des Tastens auch heitere, frohe Momente herauszuarbeiten. Tristesse wird einen beim Lesen niemals überkommen, dafür jedoch eine gesteigerte Sensibilität für ein anderes Begreifen.

    Sehende können neu sehen lernen, wenn sie bereit sind, sich vorurteilsfrei auf die Perspektiven von Bernd Kebelmann einzulassen.

     

    Rezensionen:

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    09. August 2008

    Bernd Kebelmann versammelt 56 Gedichte, die thematisch sein Bemühen umreißen, sich trotz zunehmender Erblindung einen Zugang zur Kunst zu erhalten.

    In seinem Projekt "Tastwege" bringt er das Publikum auf ungewöhnliche Art und Weise mit bildender Kunst in Kontakt.

    "Ich bin der mit Blindheit Begabte … Wenn er fällt und es schmerzt, ist er nicht wirklich gefallen. Seine innere Lage muss aufrecht bleiben, sonst stürzt er ins Bodenlose. Für ihn gibt es keinen Fluchtpunkt. Also erträgt er sich und uns, oder zerbricht daran…

    Vorsicht, ruft man mir zu, ein Baum, eine Wand, ein Gullyloch, Mann, Sie stehen ja auf dem Fahrdamm! - Der Menschenstrom drängt mich gefährlich nahe an die drohenden Klippen heran. Betonmasten, stählerne Pfeiler. Lautsprecher dudeln, Autos starten, Baustellen dröhnen wie Höllenschmieden, Lärm und Lachen spritzt auf wie Gischt. Ein minoisches Stadtlabyrinth. Wo bin ich, wohin führt mein Weg? - Quer zur Strömung treibe ich weiter, versuche, die Richtung zu halten. Welche Richtung, spielt keine Rolle. Jedes Hindernis zieht mich fast magisch an. Gegen die Strömung, stromaufwärts schwimmen, Widerstand spüren, leben."

    Kämpft er in den ersten Gedichten bisweilen noch mit seinem Schicksal, so schafft er es bald, aus der neuen, ungewohnten Situation des Tastens auch heitere, frohe Momente herauszuarbeiten.

    Tristesse wird einen beim Lesen niemals überkommen, dafür jedoch eine gesteigerte Sensibilität für ein anderes Begreifen.

    Sehende können neu sehen lernen, wenn sie bereit sind, sich vorurteilsfrei auf die Perspektiven von Bernd Kebelmann einzulassen.

    Bernd Kebelmann wurde 1947 in Rüdersdorf bei Berlin geboren. Bis 1971 studierte er Chemie an der Ernst Moritz-Arndt Universität in Greifswald, wurde dann Diplom-Chemiker in Forschung und Umweltschutz der chemischen Industrie.

    In der Zeit entstanden frühe Gedichte, Kurzgeschichten, Texte zum Umweltschutz. Geborenöstlich von Berlin, sind die DDR und die Stasi am Anfang naturgemäß Themen seiner Schriften - allerdings nur ein kleiner Ausschnitt des umfangreichen Spektrums.

    1982 war der Beginn der fortschreitenden Erblindung. Eine Autoimmunerkrankung raubte dem Autor nahezu vollständig das Augenlicht, dadurch vollzieht sich die volle Hinwendung zur Literatur.

    Kebelmann ist nicht nur Verfasser von Büchern, Hörbüchern und zahlreichen Beiträgen für Rundfunkanstalten, er baut auch grenzüberschreitende "Lyrikbrücken" mit mehrsprachigen Lesungen blinder Dichter und führt das Publikum in die Welt des konzentrierten Hörens.

    Seit 1989 wohnt er in Waltrop bei Dortmund, er ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.

    aus: Seite 4 September 2008 

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    April 02. 2016 09:21:23
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