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Ingolf Brökel/Günter Kunert: anna lust

 

anna lust

Erotische Lyrik von Ingolf Brökel

 illustriert von Günter Kunert

 

 


 

Rezensionen:

Ein kleines Kamasutra hat der 1950 im Lausitzer Braunkohlerevier geborene Ingolf Brökel mit seinem dritten Lyrikband geschrieben. Die Bildironie in den Illustrationen von Günter Kunert geht mit dem trockenen Wortwitz des Physikers Brökel eine lustvolle Verbindung ein. "Vielfältig sind die Geheimsachen / aus denen das Leben geschnitten ist", sagt die Kunstfigur "Professor Schneider". Der Dichter aber verzichtet auf Geheimniskrämerei. Alle erdenklichen Arten und Vorgänge körperlicher Liebe inszeniert er in knappen, pointierten Wendungen. Nicht minder drastisch in der Wortwahl als Bertolt Brecht in seinen derben erotischen Gedichten balanciert Brökel mit seinen Körpertexten auf dem schmalen Grat zwischen exakter Situationsbeschreibung, Gleichnis und mehrdeutigem Wortspiel. Ob Beatrice sich nackt auf dem Schreibsekretär spreizt, Anette auf dem Teppich liegend eine Spielzeuglokomotive kreisen lässt oder ein Mann eine Birke umarmt - immer entfalten Details eine verblüffende Dynamik, die das Wechselspiel zwischen Sprache und Körpersprache spannend macht. Es regieren Situationskomik und tragikomische Wandlungen. Vor den Augen des Lesers entstehen Kombinationsspiele, die Dialogfetzen und akustische Signale verwenden. Konkrete Gegenstände: Uhren, Stangen, Strümpfe, Schuhe, Sessel formieren sich zu einer erotischen Welt, in der am Ende stets das Betttuch gehisst wird - oder auch nicht. Rollengedichte und fein skizzierte Porträts wissen von Missgeschicken und Sonderfällen. Bemerkenswert ist das gänzliche Fehlen von liebesbekümmertem Jammer. Hier wird gesehen, gehört, gespürt - und manchmal auch nachgedacht über den Eros im Wandel der Zeiten.

Dorothea von Törne in "Die Märkische"

Wochenmagazin der Märkischen Allgemeinen vom 5./6. Februar 2011

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