Zwischen Tod und Traum
Trauer, Eifersucht, Begehren – die Protagonisten in Schildbergers Kurzgeschichten folgen ihren inneren Verwerfungen. Dabei verlassen sie mitunter die Realität. Dies aber auf so faszinierend glaubwürdige Art und Weise, dass sich der Lesende dem Sog nicht entziehen kann und immer wieder unvermittelt die Perspektive wechselt. Wie wäre es, unter der Erde zu leben? Sind die Toten wirklich tot, solange sie in uns lebendig sind? Und war die Romanze nur Berechnung, um die berufliche Position zu verbessern? Dabei entwickeln sich die Lebensfragen unauffällig und spannend wie Krimis. Geschickt wirft der Autor Mal um Mal kleine Köder aus, die einen von Seite zu Seite jagen, weil man wissen will, wie der Weg zur Höhle weitergeht, ob der Tunnel einstürzt, die Liebesromanze eine Chance hat. Schildberger schreibt plastisch und mit leichter Hand über Menschen auf der Suche. Der irische Regen wird genauso spürbar wie die kleine Hand des Kindes beim über-die-Straße-Gehen.
Eine kurzweilige Lektüre, die lange nachklingt.
Verena Liebers